Wenn Essen den Körper belastet

Wenn Essen den Körper belastet

Viele Menschen mit Long COVID entwickeln neue Allergien oder Unverträglichkeiten. Eine angepasste Ernährung kann Fatigue und Beschwerden lindern.

Eine Präsentation der WHO zeigt, dass rund 9% der Betroffenen nach einer Infektion mit dem Coronavirus neue Allergien entwickeln und etwa 12% verstärkte Reaktionen auf bereits bestehende Allergien berichten. Dazu zählen auch Reaktionen auf Medikamente oder andere Substanzen. Link zur Präsentation der WHO.

 

Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten

bei Long COVID

 

Viele Menschen, die an Long COVID leiden, berichten, dass sich ihr Körper nach der Infektion mit dem Coronavirus deutlich verändert hat. Neben den bekannten Symptomen wie Fatigue, Konzentrationsstörungen oder Atemproblemen fällt manchen Betroffenen etwas ganz Alltägliches auf: Lebensmittel, die früher gut vertragen wurden, lösen plötzlich Beschwerden aus. Andere stellen fest, dass sich bereits bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten verstärkt haben oder dass ganz neue hinzugekommen sind.

Doch gibt es dazu auch Informationen aus der Medizin? Und wie lässt sich dieses Thema einordnen?

 

Beobachtungen aus dem Alltag von Betroffenen

 

In Selbsthilfegruppen, Foren und Gesprächen mit Betroffenen tauchen immer wieder ähnliche Berichte auf:

 

  • neue Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln

 

  • stärkere Reaktionen auf bereits bekannte Allergene

 

  • Beschwerden nach dem Essen wie:
    • Magen-Darm-Probleme
    • Hautreaktionen (Juckreiz, Rötungen)
    • Kopfschmerzen, Benommenheit
    • Verschlechterung der Fatigue

 

Besonders häufig werden Reaktionen auf histaminreiche oder stark verarbeitete Lebensmittel genannt, zum Beispiel gereifter Käse, Tomaten, Alkohol oder Fertigprodukte.

Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem die Durchlässigkeit von Blutgefässen erhöht und Nerven reizt. Dadurch können Symptome wie Schwellungen, Juckreiz, Hautrötungen oder Kopfschmerzen entstehen. Wichtig dabei ist: Nicht jede Reaktion auf histaminreiche Lebensmittel ist automatisch eine klassische Allergie. Häufig handelt es sich um Unverträglichkeiten oder Überempfindlichkeitsreaktionen.

Mehr Informationen zu Histamin, Symptomen und histaminreichen Lebensmitteln sind auf der Webseite der Schweizerischen Interessengemeinschaft Histamin‑Intoleranz zu finden: SIGHI

 

Was sagt die Wissenschaft dazu?

 

Die Forschung zu Long COVID läuft weiterhin auf Hochtouren, insbesondere im Bereich des Immunsystems. Inzwischen ist klar: Covid-19 kann das Immunsystem nachhaltig beeinflussen.

Ein häufig diskutierter Mechanismus betrifft die sogenannten Mastzellen. Diese Zellen sind Teil des Immunsystems und fungieren als eine Art Frühwarnsystem. Sie enthalten verschiedene Botenstoffe, darunter Histamin, das bei Aktivierung freigesetzt wird.

Fachleute vermuten, dass es nach einer Infektion mit dem Coronavirus zu einer Dysregulation des Immunsystems kommen kann. Dabei könnten Mastzellen übermässig oder unangemessen aktiviert werden, was eine vermehrte Histaminfreisetzung begünstigt. Dies könnte erklären, warum manche Betroffene nach einer Corona-Infektion verstärkt auf bestimmte Lebensmittel reagieren oder neue allergieähnliche Symptome entwickeln.

Zusätzlich werden Veränderungen im Darm und in der Darmbarriere diskutiert, die die Verträglichkeit von Lebensmitteln weiter beeinflussen könnten. Grosse, eindeutige Studien zu neu auftretenden Lebensmittelallergien bei Long COVID fehlen bislang. Derzeit stammen viele Erkenntnisse aus kleineren Studien und klinischen Beobachtungen.

 

Warum Ernährung bei Long COVID eine Rolle spielt

 

Essen ist mehr als nur die Aufnahme von Nahrung. Es beeinflusst Entzündungen, den Energiehaushalt und das Wohlbefinden. Gerade bei Long COVID, bei dem Fatigue zu den häufigsten und belastendsten Symptomen zählt, kann die Ernährung einen spürbaren Unterschied bewirken.

Ein interessanter Blick über den Tellerrand zeigt sich bei anderen chronischen Erkrankungen, wie beispielsweise bei Multipler Sklerose (MS). Auch bei MS handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der Fatigue ein zentrales Symptom ist. Das Schweizer MS Register hat beispielsweise untersucht, welche Ernährungsmuster sich positiv auf Fatigue auswirken können: Link zum Artikel

Natürlich sind MS und Long COVID nicht dasselbe. Dennoch lassen sich einige grundsätzliche Überlegungen übertragen...

 

  • entzündungsarme Ernährung

 

  • regelmässige, ausgewogene Mahlzeiten

 

  • bewusster Umgang mit individuell unverträglichen Lebensmitteln

 

  • ausreichend Flüssigkeit

 

Diese Aspekte können auch für Menschen mit Long COVID hilfreich sein, insbesondere im Umgang mit Fatigue und allgemeiner Erschöpfung.

 

Was Betroffene tun können

 

Wenn der Eindruck besteht, dass bestimmte Lebensmittel die Symptome verschlechtern, kann es helfen:

 

  • ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen

 

  • Veränderungen schrittweise vorzunehmen statt radikal

 

  • bei starken oder unklaren Reaktionen medizinischen Rat einzuholen

 

Wichtig: Da die Ernährung das Wohlbefinden beeinflussen kann, sollten Selbstdiagnosen oder stark einschränkende Diäten nicht ohne fachliche Begleitung durchgeführt werden.